15.12.2015

Drei Fragen an Pascal Mazzarini: «Der Gebäudestandard ist für eine beispielhafte Gemeinde unverzichtbar»

Der Gebäudestandard für öffentliche Bauten wurde 2008 eingeführt, 2011 erneuert und 2015 nochmals in einer neuen Version herausgegeben. Er enthält Vorgaben für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und gesundes Innenklima. Die Energiestadt GOLD Delémont verwendet dieses Instrument seit 2008 und hat nun auf die neuste Version umgestellt. Der Gemeindearchitekt berichtet über seine Erfahrungen.

Haben Sie den Gebäudestandard 2008 regelmässig in Ihren Projekten verwendet?
Bei einer Energiestadt-Zertifizierung erreicht der Bereich der Gebäude normalerweise die schlechtesten Resultate. Es war deshalb selbstverständlich, dass wir die Liste des Gebäudestandards bei allen Projekten verwendet haben. Allerdings war der Standard 2008 weniger streng als der neue. Wir haben jedoch auch damit Renovationsprojekte wesentlich verbessern können. Ein Beispiel dafür ist die Sanierung zweier Schulpavillone nach Minergie-Standard. Oder die Renovation der Colonie du Creux des Biches in Noirmont, wo wir die Elektroheizung durch eine Pellet-Heizung ersetzt haben. Auch das neue Sekundarschulhaus wird mit Pellets geheizt und ist Minergie-zertifiziert.

Wo liegen nach Ihrer Erfahrung die grössten Schwierigkeiten und die Vorteile des Gebäudestandards?
Höhere Anforderungen schaffen oft auch finanziellen Mehrwert. Der Gebäudestandard ist deshalb zwar eine Einschränkung, aber auch ein zusätzliches Argument, damit Projekte beim Gemeinderat, beim Stadtrat oder bei der Wählerschaft einfacher durchkommen. Eine andere Einschränkung: Die Stadt besitzt und betreibt ein Erdgasnetz, das rentabel sein sollte. Wird eine Ölheizung ersetzt, kommt oft Gas zum Zug. Allerdings können wir für bestimmte Projekte auch eine Ausnahme machen. Eine weitere Schwierigkeit besteht bei den Renovationen von Kulturgut. In solchen Fällen müssen wir begründen, warum wir auf Aussenisolation oder eine kontrollierte Lüftung verzichten. Trotz allen Einschränkungen können wir eindrückliche Projekte realisieren, zum Beispiel im Jahr 2011 die Renovation eines Herrenhauses, das wir in ein Verwaltungsgebäude umgewandelt haben. Wir haben aussen eine Isolierverglasung montiert, um die historischen Fenster zu bewahren. Dieser Umbau ist durch den Kanton begrüsst und unterstützt worden.

Also ist Ihre Bilanz so positiv, dass Sie den Standard weiterhin verwenden?
Auch wenn wir nicht alle Anforderungen des Standards immer erfüllen können, denken wir bei jedem Projekt automatisch an das Thema «Energie». Und als uns die Version 2015 vorgestellt wurde, haben wir uns gesagt, dass es sich lohnt, diesen Schritt zu machen. Das passt auch zum Rahmenkredit von 1,5 Millionen Franken für energetische Verbesserungen im Zeitraum 2014 bis 2018, den der Gemeinderat kürzlich genehmigt hat. Für Neubauten ist der Gebäudestandard 2015 unverzichtbar, wenn eine Gemeinde beispielhaft sein will.

Energiestadt GOLD Delémont
Gebäudestandard 2015