14.07.2016

Drei Fragen an Luciano Bolis, Gemeinderat für Umwelt und Energie, Camorino

Die Gemeinde Camorino ist kürzlich als 400. Energiestadt der Schweiz ausgezeichnet worden. Sie ist stolz auf das Erreichte. Und sie ist bereit, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen und sich den nächsten Herausforderungen im Energiebereich zu stellen.

Woher rührt Ihr persönliches Engagement für Umweltthemen und wie stellen Sie sich Camorino in 20 Jahren vor?
Das Motto des Gründers der Pfadfinderbewegung “Versucht diese Welt ein wenig besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt” könnte eine gute Antwort darauf sein. Wir haben das Glück in einer herrlichen Landschaft zu leben. Das beflügelt mich, das Maximum für ihren Erhalt zu tun und wenn möglich die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Ich denke, hoffe und glaube, dass wir die Energieziele der 2000-Watt-Gesellschaft und der Energiestrategie 2050 erreichen werden: Der Energieverbrauch wird für den Planeten tragbar sein, die Luftqualität wird gut sein und die Bevölkerung wird in einem einladenden Umfeld leben.

Was hat der Gemeinde Camorino die Zertifizierung als Energiestadt gebracht?
Das Label Energiestadt und die Teilnahme am Projekt Energie-Region Bellinzonese erlauben es uns, eine kohärente Energiepolitik zu betreiben, die mit den angrenzenden Gemeinden abgestimmt ist. Mit der erarbeiteten Energiebilanz können wir beispielsweise unseren Energieverbrauch und die Produktion erneuerbarer Energien analysieren und optimieren. Mit der energetischen Sanierung unserer Gebäude und mit modernen Beleuchtungstechnologien werden wir unseren Energiebedarf senken. Mit den Photovoltaik-Anlagen, die wir bereits installiert haben oder noch installieren werden, können wir den gesamten Energiebedarf unserer öffentlichen Gebäude und Infrastrukturen decken. Dieses Ziel ist für Camorino und auch für andere Gemeinden durchaus erreichbar.

Was sind die Herausforderungen und wichtigsten Vorhaben der kommenden Jahre?

Die Verkehrsinfrastrukturen (das grosse Autobahnkreuz, die beiden alten Bahnlinien sowie die neuen NEAT-Linien, die Alptransit derzeit fertigstellt) beanspruchen viel Platz und belasten die Bevölkerung und die Finanzen Camorinos erheblich. Die Gemeinde hat deshalb Zugeständnisse gefordert und auch erhalten: Die Vereinbarung mit Alptransit hat zum Beispiel dazu geführt, dass eine Machbarkeitsstudie für die Energierückgewinnung aus Tunnelwasser und für die Nutzung von Abwärme erarbeitet wird.
Die Fusion mit Bellinzona ist ein weiteres wichtiges Projekt für Camorino. Die Schulwege und die Routen für den Langsamverkehr müssen in der Gemeinde verbessert werden. Zurzeit wird dafür der Richtplan aktualisiert. Die Gemeinde prüft die umfassende Erneuerung des Dorfkerns. Im künftigen Ortsteil von Bellinzona soll ein lebendiges Zentrum entstehen mit Dienstleistungsangeboten und vor allem viel Grünfläche. Zudem sind die technischen Voraussetzungen vorhanden, damit in Zentrumsnähe eine S-Bahn-Station realisiert werden könnte. Das würde nicht nur für eine optimale Verbindung mit dem Stadtzentrum von Bellinzona, sondern auch mit dem ganzen Vedeggio-Tal ermöglichen.