24.03.2016

Drei Fragen an Denis Décosterd: «Die Rolle der Städte hat sich an der COP21 in Paris etabliert»

Während der Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris beteiligte sich die Stadt Lausanne an der Ausstellung «Solutions COP21». Sie stellte dort verschiedene Sichtweisen der Energiezukunft vor. Denis Décosterd, Leiter Stadtentwicklung und Kommunikation, betont die zentrale Rolle, die schweizerische Gemeinwesen für den Energiewandel und eine erneuerbare und dezentrale Energieversorgung spielen.

Wie war Lausanne an den Aktionen beteiligt, die am Rande der COP21 stattfanden?
Die Schweizer Botschaft wollte an ihrem Pavillon im Grand Palais Projekte von Unternehmen und Organisationen zeigen, um dem Pariser Publikum ein aktives und innovatives Bild unseres Landes zu vermitteln. Wir haben diese Gelegenheit ergriffen und neue Projekte zur Energie und zur Grundversorgung vorgestellt. Dazu passend nahm Stadtpräsident Daniel Brélaz gleichzeitig am Klimagipfel der Lokalpolitiker teil, der im Rathaus von Paris stattfand.

Welche Botschaft wollten Sie in erster Linie überbringen?
In der Schweiz spielen die Gemeinwesen im Bereich der Energie eine wichtige Rolle, weil sie oft, wie Lausanne, von der Produktion bis zur Verteilung zuständig sind – was in Frankreich nicht der Fall ist. Im Hinblick auf eine künftige erneuerbare und stark dezentralisierte Versorgung ist die Schweiz bereits dezentralisiert. Die Gemeinden können diesen Trumpf ausspielen. Sie haben interessante Lösungen anzubieten. In Paris haben wir Szenarien für die Energiezukunft präsentiert, die wir mit der Forschungsplattform Volteface der Universität Lausanne (volteface.ch/) entwickelt haben. Die Präsentation verlief wie ein Streitgespräch im Hinblick auf eine Volksabstimmung. Es war eindrücklich, das komplexe Thema ganzheitlich zu behandeln. Über die rein technischen Probleme hinaus bezogen wir soziale Fragen und das menschliche Verhalten ein, bis auf die Stufe der Einzelperson. Mit der staatsbürgerlichen Dimension, die eine solche Diskussion in der Schweiz annehmen kann, kommt die Lokalpolitik wieder zum Zug und wird die Zivilgesellschaft mobilisiert.

Welche Bilanz ziehen Sie?
Unsere Präsentation war selbstverständlich ein Tropfen auf den heissen Stein. Es freut uns jedoch, den Rahmen einer üblichen Ausstellung gesprengt und das Interesse des Publikums geweckt zu haben. Dieser Auftritt passte vor allem zum Gipfel der Stadtpräsidenten, welcher zeigte, wie stark die Städte eingebunden sind. Ungeachtet der Grössenunterschiede, der verfügbaren Mittel oder des politischen Systems ist eine verstärkte Sensibilisierung zu spüren, eine echte Mobilisierung der Städte, die am Energiewandel teilhaben wollen.

Lausanne, Energiestadt GOLD (auf Französisch)