1. Entwicklung, urbane und regionale Planung

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1.1 Konzepte, Strategie

1.1.1 Leitbild

Die Gemeinde verfügt über ein Leitbild mit qualifizierten und quantifizierten energie- und klimapolitischen Zielsetzungenfür die kommunale Politik, inkl. Aussagen zur Mobilität.

Die Gemeinde bekräftigt ihr energie- und klimapolitisch orientiertes Engagement durch die Unterzeichnung entsprechender Vereinbarungen wie der "2000-Watt-Gesellschaft" oder dem "Covenant of Mayors".

Diese generellen Prinzipien sind in einem offiziellen Dokument fixiert.

1.1.2 Klimaschutz- und Energiekonzept

Die Gemeinde verfügt über ein Klimaschutz- und Energiekonzept zur Konkretisierung des Leitbildes (als Grundlage für Planungsinstrumente wie Energieplanung, Verkehrsplanung und Abfallkonzept).

Das Konzept enthält z.B. Strategien

  • zur Effizienzerhöhung und Emissionsverminderung
  • zur vollen Ausnutzung des Potentials lokaler (erneuerbarer) Energieproduktion
  • zum Erhalt der natürlichen Umgebung und landwirtschaftlicher Aktivitäten.

Das Konzept orientiert sich an mittel- und langfristigen Zielen und Strategien und beinhaltet einen Absenkpfad (Energiebedarf, CO2-Emissionen).

1.1.3 Bilanz, Indikatorensysteme

Die Gemeinde führt regelmässig (alle 2-5 Jahre) eine Situationsanalyse für die Bereiche Energie und Klima durch, bezogen auf das gesamte Gemeindegebiet, inkl. Aussagen zur Mobilität.

Die Bilanz umfasst u.a. die Themen:

  • Energieverbrauch
  • CO2-Bilanz für das ganze Gemeindegebiet (bottom-up oder top-down-Ansatz, z.B. ECOSPEED Region)
  • Treibhausgasemissionen
  • Primärenergie

sowie Einzelindikatoren für:

  • Mobilität
  • Gebäude (Energieausweise)
  • Abfall
  • Wasserversorgung.

1.1.4 Evaluation von Klimawandel-Effekten

Die Gemeinde schätzt die Folgen des Klimawandels unter Beachtung der Sensibilität des Gemeindegebietes ab und handelt dementsprechend.
Themen für die Überprüfung sind:

  • Risikobewertung (Überschwemmungen, Erosion, Trockenperioden, Waldbrandgefahr etc.)
  • Anpassung der Gebäudestandards (Vermeidung zusätzlicher Klimatisierung in Gebäuden)
  • Sicherheit von Bevölkerung und TouristInnen
  • Reduzierter Betrieb konventioneller Kraftwerke in Hitze- / Trockenperioden (z.B. verringerte Stromerzeugung aus Wasserkraft).

Die Themen werden mit den lokalen InteressenvertreterInnen diskutiert und die Ergebnisse fliessen in das Leitbild und die Konzepte ein.

1.1.5 Abfallkonzept

Die Gemeinde erstellt Konzepte / Strategien / Untersuchungen, um eine lokale Strategie zur Reduktion und (energetischen) Nutzung von Abfall zu erlassen. Die Strategie zielt auf

  • die Rückgewinnung wiederverwertbarer Materialien
  • die Erhöhung der Abfalltrennung
  • die Senkung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen bei der Abfalleinsammlung sowie
  • die energetische Nutzung des Abfalls.

Einbezogen werden Kehricht und Bioabfall.

Das Gebührensystem widerspiegelt das Verursacherprinzip und fördert damit Abfallrecycling und -weiterverwendung.

1.2 Kommunale Entwicklungsplanung

1.2.1 Energieplanung

Die Gemeinde verfügt über eine Energieplanung, basierend auf dem Energie- und Klimaschutzkonzept, mit konkretisierenden Aussagen und Strategien. Sie übernimmt zudem die Koordination mit der Raumplanung und anderen
Massnahmen des Energiestadt-Katalogs.

Die Energieplanung enthält eine Karte, welche die Vorzugsgebiete für die Nutzung erneuerbarer Energieträger und Abwärme aufzeigt.

Die Energieplanung wird von einem Aktivitätenprogramm mit Strategien und Zwischenzielen begleitet. Die Umsetzung wird evaluiert.

1.2.2 Mobilitäts- und Verkehrsplanung

Die Gemeinde verfügt über eine Verkehrsplanung, mit dem Ziel einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs auf dem Gemeindegebiet und mit konkreten Aussagen und Strategien zu:

  • Massnahmen zur Reduktion von motorisiertem Individualverkehr
  • Förderung von Fuss- und Radwegen
  • Förderung / Ausbau des ÖV und kombinierter Mobilität
  • Geeignete Positionierung von verkehrserzeugenden Einrichtungen (Einkaufszentren, Schulen etc.).

Die Verkehrsplanung enthält eine Karte und wird von einem Aktivitätenprogramm mit Strategien und Zwischenzielen begleitet. Die Umsetzung wird evaluiert.

1.3 Verpflichtung von Grundeigentümern

1.3.1 Grundeigentümerverbindliche Instrumente

Die Bauvorschriften für Grundeigentümer reflektieren die Strategien der Gemeinde in Bezug auf Energiesparen, Energieeffizienz und Klimaschutz.
Sie verlangen bspw.:

  • Beschränkung der Parkplatzanzahl
  • Kompakte Bauformen, gute Dämmung, günstige Orientierung der Bauten
  • Versickerung von Regenwasser, Separierung von Regen- und Abwasser, Reduktion der Bodenversiegelung
  • Hohe Bebauungsdichten
  • Zusätzliche Auflagen zur Energieeffizienz
  • Begrünung, Grünflächenvernetzung, Regeln für Erhöhung der natürlichen Durchlüftung
  • Sonderregelungen für autofreie Zonen, lokale Fussgängerzonen.

1.3.2 Innovative, nachhaltige städtische und ländliche Entwicklung

Energie- und klimaschutzrelevante Gesichtspunkte und der Einsatz von erneuerbaren Energien spielen bei der Ausschreibung von städtebaulichen bzw. architektonischen Projekten resp. Wettbewerben, beim Verkauf von
gemeindeeigenen Flächen oder Abgabe im Baurecht eine wichtige Rolle.
Beispiele:

  • Niedrigenergie- oder Passivhausstandard
  • Erneuerbare Energieversorgung (Sonnenkollektoren, Biomasse, PV usw.)
  • Fernwärme-, Nahwärmeanschluss
  • Beschränkung der Parkplatzanzahl
  • Städtebauliche Submissionen
  • Berücksichtigung der biologischen Vielfalt.

1.4 Baubewilligung, -kontrolle

1.4.1 Prüfung Baubewilligung und Baukontrolle

Der Spielraum bei Baubewilligungs- und Baukontrollverfahren wird optimal genutzt, um eine möglichst energieeffiziente Bauweise sicherzustellen.
Beispiele:

  • Stichproben durch die Bauaufsicht
  • Richtlinien für Kontrollpersonal, Festlegung und Sicherung der Kontrollqualität
  • Bauunterlagen mit Protokollen der durchgeführten Qualitätssicherungsmassnahmen
  • Solaranlagen in Baugenehmigungen enthalten
  • Effiziente Kontrollsysteme
  • Aufforderung zur vorbildlichen Handhabung des Gebäudeenergieausweises resp. Visualisierung des Energieverbrauchs

1.4.2 Beratung zu Energie und Klimaschutz im Bauverfahren

Die Baubewilligungs- und Kontrollverfahren werden bereits in einem frühen Stadium des Bauverfahrens für flankierende Massnahmen zur Förderung von Energieeffizienz und Klimathemen verwendet.

Beispiele:

  • Abgabe einer Bauherrenmappe mit Empfehlungen zu energieeffizientem Bauen
  • Empfehlung oder Finanzierung einer Energieberatung (Verweis auf Fachberatungsstellen)
  • Empfehlung zur Erstellung von Gebäudeenergieausweisen.
  • Die Wirkung der Beratung wird anhand von Indikatoren ausgewertet.